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Schadensersatz wegen Mobbing

Gegenstand des Verfahrens war eine Auseinandersetzung zwischen einer anästhesistischen Oberärztin und ihrem Chefarzt, die sich über Jahre hinzog. Dabei kam es zwischen der Oberärztin und dem Chefarzt wiederholt zu erheblichen verbalen Entgleisungen, beispielsweise indem der beklagte Chefarzt den Intelligenzquotienten der Oberärztin als besonders niedrig einschätzte und sich auch entsprechend äußerte. Es kam in diesem Zusammenhang auch zu einer indirekt körperlichen Auseinandersetzung. Bereits das Arbeitsgericht Koblenz hatte der klagenden Oberärztin ein Schmerzensgeld i.H.v. 12.000,00 € zugesprochen. Das LAG reduzierte nunmehr diesen Schmerzensgeldanspruch auf 6.900,00 €. Das LAG Rheinland-Pfalz hielt den Anspruch der klagenden Oberärztin für begründet. Denn der Chefarzt habe das Recht der Klägerin auf Achtung ihrer Persönlichkeit tiefgreifend verletzt. Er habe ihr schwerwiegende Ehrverletzungen zugefügt. Zwar erfülle nicht jede Auseinandersetzung oder Meinungsverschiedenheit zwischen Kollegen, Mitarbeitern, Untergebenen und/oder Vorgesetzten den Begriff einer schmerzensgeldrelevanten unerlaubten Handlung i.S.d. § 823 BGB. Vielmehr sei es hinzunehmen, daß es in der täglichen Zusammenarbeit von Menschen zu Konflikten komme. Solches Verhalten sei aber nur im Rahmen der Sozialadäquanz hinzunehmen. Wenn die Grenzen des sozial adäquaten Verhaltens überschritten werden, sei aber dem Grunde nach der Mobbingvorwurf begründet und führe daher zu einem Schmerzensgeldanspruch. Allerdings lehnte das LAG Rheinland-Pfalz die Feststellung eines Schadenser-satzanspruches wegen der Beendigung des Anstellungsverhältnisses durch die klagende Oberärztin selbst ab. Dem beklagten Chefarzt könnten etwaige negative Folgen, die sich für die Klägerin aus der Beendigung ihres Anstellungsverhältnisses ergeben, nicht zugerechnet werden. Ansprüche gegen die Klinikträgerin lehnt das LAG Rheinland-Pfalz von vorneherein ab; denn der Trägerin könne insoweit kein Vorwurf gemacht werden, sie habe ihre Überwachungspflichten verletzt.

Insgesamt zeigt dieses Urteil, daß der Vorwurf des Mobbings schwer zu fassen ist. Die Geltendmachung eines Schadensersatzes und Schmerzensgeldanspruches wegen Mobbing erfordert die substantiierte Darlegung der konkreten Umstände, die auf den Mobbingvorwurf schließen lassen, wobei insoweit dargestellt werden muß, daß das Verhalten, aus dem der Mobbingvorwurf begründet wird, nicht mehr sozial adäquat i.S.d. „normalen“ Umgangs von Kollegen in der täglichen Zusammenarbeit sein darf.

22.03.2006


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